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Geburtserlebnisse - Delina zu Hause geboren

„Unser Baby ist in den Himmel geflogen – es kommt wieder zu uns. Ja sicher – es kommt wieder zu uns!“, kommentierte unser knapp dreijähriger Sohn Samionos nach der endgültigen medizinischen Feststellung am 19. Dezember 2009, dass unser Baby verschwunden war, bevor es überhaupt richtig zu merken war.

In diesem Artikel:

Delina Andra am Samstag, den 11.Dezember 2010 geboren

Ostern wussten wir es dann sicher – wir bekommen wieder ein Baby! Die Freude war etwas gedämpft durch die Angst, es könnte wieder so sein wie gerade eben erst erlebt. Heftige Bauchschmerzen bei Anna führten dann auch zu einer zweiten Ultraschalluntersuchung – und zur Vergewisserung: Unser Baby ist noch da!

Dann fingen die Planungen an: Wenn unsere beiden Söhne, Elijah und Samionos, in ein Zimmer sollen, dann braucht es noch einen Ausbau des angrenzenden Dachraumes – als Schlafzimmer, damit das neue Baby ein eigenes Zimmer bekommt!

Viel Arbeit und zusätzliche Schwierigkeiten mit der Eröffnung unseres Waldkindergartens ließen die Monate vergehen, und schon waren wir sechs Wochen vor dem errechneten Termin. Ich musste beruflich verreisen. Anna ging also jeden Tag in den Wald zum neuen Kindergarten, zuhause zwei Kinder, versorgte Haushalt und noch unsere Tiere.

Hebamme: "Bald ist es soweit!"

Dann stellte unsere Hebamme Dorothee vom Heilhaus in Kassel bei der Vorsorge fest: „Muttermund schon geöffnet, Gebärmutterhals schon ganz weich und fast nicht mehr zu fühlen – liebe Anna, wenn ich Deine Ärztin wäre, würde ich Dich jetzt ins Krankenhaus schicken!“

Diese Nachricht traf mich am Telefon wie ein Keulenschlag! Beide Brüder waren schöne Hausgeburten, natürlich sollte unser Drittes auch zu Hause kommen. Ich jetzt sechshundert Kilometer von zu Hause weg und daheim eigentlich unabkömmlich. Ich war wie gefangen in der Ferne. Meine hochschwangere Anna aber blieb ganz ruhig: „Unser Baby kommt noch nicht! Keine Angst – mach’ Deine Arbeit erst fertig und brich’ nichts ab!“

Die zwölf Tage von zu Hause weg vergingen dann wie im Flug – so als würde die Zeit schneller vergehen, wenn man besonders viel machte. Jeden Tag mindestens zwei Mal telefonieren brachte den nötigen Austausch mit Anna und das Gefühl, noch rechtzeitig alles verlassen und an Mitarbeiter übergeben zu können, wenn ich nach Hause hätte durchstarten müssen. Unser Baby blieb aber ruhig und ließ mich planmäßig nach Hause kommen.

Überhaupt – unser Baby hatte anscheinend eine stille Übereinkunft mit Anna getroffen: „Liebe Mama, wenn Du Zeit und Ruhe hast – dann komme ich, und auf keinen Fall früher, ich will nämlich auch zu Hause geboren werden!“

Das Baby lässt sich Zeit

So war letztendlich erstaunlich, was Anna noch alles vor der Geburt machte – oder mitmachte: Äpfel ernten und einlagern, Hühnerstall sauber machen, Garten aufräumen, den Riesenhaushalt mit zwei kleinen Kindern organisieren, den Waldkindergarten umstrukturieren mit einer neuen Mitarbeiterin, mit anderen Müttern im Heilhaus treffen, unsere Wachteln ausmisten, eine große Gemeinschaftsjagd zusammen mit den Kindern besuchen mit anschließendem Schüsseltreiben, Niedensteiner Weihnachtsmarkt zur Präsentation unseres Waldkindergartens vorbereiten, Tante zum Geburtstag im Harz besuchen, mit beiden Kindern den Betriebsausflug des Johanneshofs zur Messe in Hannover begleiten (bei massivem Schneetreiben) und am 2. Advent den Weihnachtsmarkt in Niedenstein mit durchführen! Nicht aufgezählt sind zahlreiche leckere Mahlzeiten, die Anna ihrer Familie bereitete und die gründliche Ordnung im ganzen Haus, die besonders vor einer Geburt sein muss! – Eine bewundernswerte Kraft, die von Anna als werdender Mutter ausgeht! „Ich bin doch nicht krank – ich bekomme nur ein Baby!“

Am Freitag, den 10.12.2010, gab mir Anna mit auf den Weg zur Arbeit, dass unser Baby sich wohl auch auf den Weg machen würde….. o.k….. dann ist es jetzt wohl so weit ….. Ich sollte aber ruhig erst noch arbeiten. Anna ging dann am selben Nachmittag noch mit allen Kindern zu Heike zum Reiten und abends, als wir unsere Kinder ins Bett gebracht hatten, war die Aussage schon konkreter. „Jetzt dauert es nicht mehr so lange!“ Ich räumte erst einmal den Schnee vor der Haustür, damit der Klapperstorch sicher landen konnte und nicht an unserem Haus vorbeischlitterte.

Es ist soweit - das Baby kommt!

Anna ging dann auch zeitig zu Bett und schlief bald ein, um mich dann um drei Uhr früh zu wecken! „Jetzt kommt unser Baby!“ Oh je, das Dritte kann doch viel schneller da sein als die Vorhergehenden! Anna hatte Hebamme Dorothee schon angerufen und dazu noch Maria – eine liebe Freundin, die auf unsere beiden Jungs achtgeben wollte und, selbst schwanger mit ihrem Dritten, natürlich auch die Geburt erleben wollte.

Um 3.30 Uhr waren die Handtücher und Wasser gewärmt, die von Dorothee vorher schon mitgebrachte Tüte mit Geburtshilfeutensilien stand bereit und auch Maria traf schon ein. Anna suchte sich einen Platz im Wohnzimmer auf dem Teppich – ins Bad oder ins Schlafzimmer wollte sie nicht, um die Kinder nicht zu wecken. Die Wehen kamen schon jede Minute und ließen kaum noch Zeit zum Durchatmen, und Anna suchte eine Position im Vierfüßler-Stand – Oberkörper auf dem Couchtisch – ein Arm auf der Tischplatte mit festem Klammergriff an der gegenüber liegenden Kante – was ich dankbar zur Kenntnis nahm, da es mir blaue Flecken am Unterarm ersparte – ach – dummes Gerede – während dessen nahm ich gar nichts zur Kenntnis – nur das Dorothee um 3.45 Uhr kam und Anna und unser Baby gleich nach ihrer Ankunft zum Endspurt ansetzten! Dorothee rief gerade noch im Heilhaus an und bat um geistig seelische Unterstützung für uns und unser Baby, stützte dann noch den Damm mit warmen Tüchern und kommentierte: „Es ist gleich da!“

Um 3.55 Uhr wurde Anna unter einer Wehe so laut, dass unsere Jungs aufwachten und Maria zu ihnen eilte. Während Maria unseren Kindern half, richtig wach zu werden, schlüpfte unsere Delina Andra vollends – um 4.01 Uhr am Samstag, den 11.Dezember 2010. Ein zartes Mädchen mit 3120 Gramm und 49 Zentimetern – rosig und so, wie es sein soll! Nach kurzem Aufschrei schmiegte sich Delina in Mamas Arm – just als Maria, Samionos und Elijah ins Wohnzimmer kamen. So war Maria doch um das Ende der Geburt herumgekommen, und alle standen aufgeregt und staunend um Mutter und Kind herum. Auch Samionos und Elijah hatten die Geburt verschlafen, durften dann aber gemeinsam die Nabelschnur durchschneiden. Die Nachgeburt kam schnell und ohne Probleme und wurde dann gleich eingefroren, um wie bei Samionos und Elijah unter einem extra für Delina eingepflanzten Apfelbaum eingegraben zu werden.

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Delina ist gesund und alle sind froh

Delina hatte mittlerweile angefangen, an Mamas Brust zu nuckeln und wirkte rundherum zufrieden. Da Anna ein wenig gerissen war, musste sie noch genäht werden, was nach einer Stunde kuscheln mit Anna und den Brüdern auf dem Teppich (mit steriler Unterlage) geschehen sollte. Delina kam in Papas Arme, und Samionos und Elijah setzten sich daneben aufs Sofa.

Dorothee bereitete etwas abgewandt von den Kindern alles vor und erklärte dabei genau, was sie tat, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, zu verstehen. Als sie dabei von der Betäubung vor dem Nähen sprach, reagierten Samionos und Elijah ganz entsetzt und fragten, ob Mama jetzt sterben müsse. Die zwei stellten einen Zusammenhang her zwischen dem Vorgang des Schlachtens eines Rindes und jetzt der Betäubung ihrer Mama. Das Schlachten hatte sie sehr interessiert und sie hatten sich den Vorgang des Tötens genau erklären lassen. Dabei kam mehrfach die Aussage, dass das Rind erst betäubt wurde vor dem Töten. Für die Kinder damit ganz klar, wenn jemand betäubt wird, dann soll er getötet werden. Da die Zwei offene Erwachsene als Regel erleben, konnten sie ihre logische Befürchtung gleich in Worte fassen und erfahren, dass es ganz unterschiedliche Betäubungen gibt und ihrer Mama damit kein Leid zugefügt wurde – gewiss für die Zukunft hilfreich!

Delina kam nach diesem Eingriff gleich wieder nackt auf die Haut ihrer Mama und wurde dann erst nach weiteren intensiven Kuscheleinheiten gemessen und gewogen. Nach einem kleinen gemeinsamen Frühstück waren gegen 8 Uhr alle redlich erschöpft, und der Teppich im Wohnzimmer wurde mit Decken und Kissen zum Familien-Ruhelager umgestaltet, so dass Hebamme Dorothee zufrieden nach Kassel zurückkehren konnte. Maria ordnete noch das eine und andere und fuhr dann auch heim.

Geburt zu Haus ist etwas schönes, da es eine vertraute Umgebung ist.

„Schwangerschaft ist keine Krankheit! Und Geburt kann in vertrauter Umgebung etwas ganz Schönes sein! – Delina Andra ist sicher noch nicht unser letztes Kind!“, sagte Anna beim nachgeburtlichen Frühstück.
Wir möchten mit dieser Geschichte allen danken, die dieses wunderbare Erlebnis für uns in dritter Auflage möglich gemacht haben – allen voran den Hebammen des Heilhauses Kassel und der Kinderärztin Dr. Gerda Wienforth, die zur U2 ins Haus gekommen ist. Und wir wollen mit dieser Geschichte Mut machen, sich gegebenenfalls auch einmal mit dem Gedanken auseinander zu setzen, dass Schwangerschaft und Geburt etwas ganz Natürliches sind – natürlich in der ganzen Bandbreite des Erlebens, wo Schmerz eben auch dazu gehört!


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